Großbrand Firma Kason im Jahre 1966.

700.000 DM Schaden durch Explosion und Brand bei Kason.

(eb). Auf etwa 700.000 DM wird der Schaden beziffert, der durch die Explosion und den Brand am Mittwoch in der Stuhlfabrik Katzbichler (Kason) in Kamm bei Ortenburg verursacht wurde, worüber wir gestern bereits berichteten. Drei Mitarbeiter wurden durch die Explosion schwer verletzt und mehrere leicht verletzt. Dem planmäßigen und wirklich mustergültigen Einsatz der Feuerwehren war es zu verdanken, daß der Schaden nicht noch um ein Vielfaches höher wurde.

Wie inzwischen festgestellt wurde, dürfte die Explosion durch Schweißarbeiten verursacht worden sein. Für diese waren zwar alle erforderlichen Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden. Dennoch schein ein Schweißkörnchen an eine mit Nitrolack bespritzte Massivwand geraten zu sein. Plötzlich war eine so heftige Qualmentwicklung festzustellen, dass der Vorarbeiter sich veranlasst sah, die Belegschaft aufzufordern, eiligst die Produktionsräume zu verlassen. In diesem Augenblick ertönte eine so heftige Detonation, dass die gesamte Werksanlage erschüttert wurde. Die gesamte Gebäudeflucht, in der die Schleiferei, die Polsterei, die Beizerei und Spritzerei untergebracht waren, stürzte krachend in sich zusammen. Der Luftdruck war so stark, dass das Schrägdach herabstürzte. Dieses wurde dann jedoch von den senkrechten Trägern aufgefangen, so dass die darunter stehenden Maschinen und Wartenteile erhalten blieben. Zeugnis von der Wucht der Detonation gab auch eine Mauer in einem angrenzenden Neubau, der nur durch Fensteröffnungen mit der Unglücksstätte verbunden war. Diese Mauer wurde zehn Zentimeter verrückt.

Konnte der Großteil der Belegschaft noch rechtzeitig und unversehrt die Produktionsräume verlassen, so wurden doch mehrere Arbeiter verletzt, drei sogar erheblich. Einem wurde ein Arm durchgeschlagen, einem zweiten ein Bein und ein dritter erlitt über 30 Schnittwunden.

Kurz nach der Explosion schlugen aus einer Ecke bereits die Flammen. Die Werksangehörigen gingen sofort mit Trockenlöschern vor und es gelang ihnen auch, das Feuer einigermaßen in Schach zu halten, bis die Söldenauer Feuerwehr eintraf. Diese löste die Werksangehörigen ab, die wegen der immer mehr zunehmenden Hitze- und Rauchentwicklung mit ihren Trockenlöschern nichts mehr ausrichten konnten. In kurzen Abständen trafen dann die Feuerwehren aus Ortenburg, Unteriglbach, das Tanklöschfahrzeug aus Vilshofen, die Wehren Holzkirchen, Neustift, Königbach, Zeitlarn, Oberiglbach, Dorfbach, Tiersbach, Reisbach, Göbertsham und das Tanklöschfahrzeug aus Fürstenzell ein. Später kamen auch noch zwei Tanklöschfahrzeuge aus Passau, die jedoch nicht mehr eingesetzt zu werden brauchten. Zum Glück war reichlich Wasser vorhanden. Hinter dem Werksgelände fließt ja die Wolfach und vor der Fabrikanlage der Flutgraben.

Die Feuerwehren leisteten einmalig mustergültige Arbeit. Zunächst galt es, ein weiteres Ausbreiten des Feuers zu verhindern. Dies war um so schwieriger, als zum  anschließenden Auslieferungslager, das schier bis zum Dach mit Fertigwaren vollgestopft war und keine Durchgänge vorhanden waren. Dort wurde zunächst ein Wasserriegel gebildet, der ein Vordringen des Feuers verhinderte. Nicht weniger gefährlich sah es auf der Gegenseite aus. Dort hatte die Explosion die Mauer zur Produktionshalle weggerissen, so dass die Flammen freu in die Halle schlagen konnten. Doch auch hier gelang es den Feuerwehren in vorbildlicher Gemeinschaftsarbeit den Brand abzuriegeln. Eine dritte Abteilung schließlich ging den Brandherd direkt an, und zwar zum Teil von den umliegenden Dächern aus.

Die Arbeit der Wehrmänner und auch der Werksangehörigen, die unermüdlich mit Bergungsarbeiten beschäftigt waren, war mit vielfältigen Gefahren verbunden. Zum einen bestand an mehreren Stellen weitere Einsturzgefahr, zum zweiten standen in dem eingestürzten Gebäude einige Kannen mit Nitrolack, so dass eine weitere Explosion ständig befürchtet werden musste. In einem kleinen Zwischenhof musste außerdem dem Nitro-Bunker besonders Augenmerk zugewandt werden. Eine zu starke Erhitzung desselben hätte ungeahnte Folgen nach sich ziehen können. Durch leichtes Abkühlen konnte jedoch Schlimmeres verhindert werden.

Konnten die Feuerwehren zunächst nicht ohne große Wassermengen auskommen, so galt es dann auch, dafür zu sorgen, dass durch das Wasser nicht in den benachbarten Gebäuden zusätzlicher Schaden an Maschinen und Waren angerichtet wurde. So wurden noch während der Brandbekämpfung in den anschließenden Hallen Löcher in den Boden geschlagen, in denen sich das Wasser sammeln konnte. Von dort wurde das Wasser dann ins Freie gepumpt. Die folgende Nacht über galt es dann weiter Wasser abzuwehren und zwar des unaufhörlich niederprasselnden Regens, der durch die beschädigten Dächer eindrang.

Die Unglücksstätte bietet ein Bild der Verwüstung. Dennoch ging gestern bereits in den verschont gebliebenen Hallen die Produktion wieder weiter. Der Schaden liegt jedoch wesentlich höher, als im ersten Augenblick angenommen worden war. Zum Gebäudeschaden muß ja auch der Schaden gerechnet werden, der dadurch entstand, dass eine erhebliche Menge an Teil- und Fertigwaren durch die Explosion zertrümmert wurden.

Von den umliegenden Dächern aus gingen die Feuerwehren gegen die aus dem zertrümmerten Gebäude schlagenden
Flammen vor. – In den zerstörten Hallen war auch eine große Menge Teil- und Fertigware gelagert. (Fotos: Fuchs)